Worte von Pfarrer Jerome Ciceu!

FacebookTwitterGoogle+WhatsApp

Jerome Ciceu. Foto: Martin Kalchhauser

Gottes Mühlen mahlen langsam, aber sehr fein und gerecht!

Liebe Gläubige unserer Pfarren, liebe Freunde von Nah und Fern.

Ich habe dieses geflügelte Wort des Arztes und Philosophen Sextus Empiricus aus dem 2. Jhd. n. Chr. als Motto meines Pfarrbriefes für Juni 2020,  jetzt nach den Lockerungen der Einschränkungen und Maßnahmen inmitten der Corona-Virus Krise, gewählt. Für mich ist hier nicht die Gerechtigkeit Gottes gemeint, sondern dass er sich mit manchen Veränderungen in unserem Leben Zeit lässt. Es ist sichtbar und spürbar, dass viele negative Auswirkungen der Pandemie, Menschen, Gesellschaft, Politik, Kirche und vor allem die Wirtschaft belasten. Darüber lesen wir täglich ein paar mal in allen Nachrichten. Aber auch wenn es sich keiner von uns ausgesucht hat, seine Bewegungsfreiheit einzuschränken und seinen Lebensstil zu ändern, gibt es trotzdem auch viele positive Erneuerungen in unserem Leben.

Vor 25 Jahren, genauer gesagt im September 1995 kam ich nach Österreich. Im ersten Jahr war ich Kaplan in einer neu gegründeten Gemeinde in Floridsdorf – in der Pfarre Cyrill und Method und Aushilfskaplan in Pulkau. Nach ein paar Gottesdiensten im Weinviertel lud mich eine Feuerwehreinheit ein um mit ihr einen Kameraden zum runden Geburtstag zu gratulieren. Der Mann war ein erfahrener Müller, der eine alte schöne klassische Wassermühle besitzt, die aber ein Opfer der modernen Wirtschaft geworden ist und nur noch selten im Betrieb war. Ich habe ihn ein paar Jahre mit den Sternsingern besucht und blieb etwas länger bei ihm, weil er nochmal seinen alten „Arbeitsplatz“ zeigen wollte. Mit viel Leidenschaft erklärte er mir wie eine Getreidemühle, die über 100 Jahre alt ist, funktioniert. Dann im Haus beim Kaffee sagte er mir: Ich höre sogar im Traum das Wasser durch die Schleusen fließen und wie sich der Mühlstein dreht. Irgendwann, bei einem Treffen im Pfarrhof habe ich ihm wieder gefragt ob sich der Mühlstein noch dreht. Er erwiderte: Nein. Ich habe verstanden, dass sich manche Dinge ändern müssen und ich kann den Mühlstein der Zeit nicht stoppen, aber die Mühle ruht. Ich konnte merken, dass er sich von seinem alten Leben und seiner alten Beschäftigung mit einem weinenden und mit einem lachenden Auge getrennt hat, weil er jetzt durch seine Enkeln, die um ihn herum schwirrten neuen Lebensmut bekommen hat und mit gewisser Zufriedenheit und Gelassenheit in die Zukunft schauen konnte.

Wie schwer haben wir uns mit dem sogenannten „Lockdown“, das „Runterfahren“ des Alltags als Schutzmaßnahme „für mich und für dich“, getan. Aber es war notwendig. Mindestens in unsere Gegend gab es sehr wenige, in unseren 8 Pfarren, offiziell gar keine Corona Virus Infizierte. Wir haben uns umstellen müssen und mit der Entschleunigung des Lebens umgehen gelernt. Und denen, die sich an die Situation angepasst haben, hat es gut getan. Es wäre falsch, die Ursachen und die Situation nur durch die Brillen des Glaubens zu betrachten und zu sagen, dass es ein Zeichen Gottes war. Aber irgendetwas musste sich in diese Welt ändern, damit wir nicht an unserem Wohlstand und unserer totalen Freiheit scheitern. Es musste einmal alles stehen bleiben damit wir das Leben nicht als selbstverständlich sondern als ein Geschenk Gottes betrachten. Wir sollten die Menschen nicht nach ihrem sozialen Status, sondern nach ihrer Würde betrachten um zu merken, dass manche ohne unsere Hilfe es sehr schwer haben oder manchmal nicht mehr weiter wissen. Als Christinnen und Christen haben wir die Sehnsucht nach Gott und seiner Gemeinschaft noch tiefer gespürt, deswegen freuen wir uns umso mehr, dass wir wieder an der Hl. Messe und manchen Versammlungen teilnehmen dürfen.

Danke für eure Geduld und für eure Ausdauer, auch für so viel Bereitschaft für andere da zu sein.

Wir schauen jetzt gemeinsam voller Zuversicht in die Zukunft. Manche Dinge werden nicht mehr so sein wie sie einmal waren. Wichtig ist, dass der Mühlstein der Zeit sich wieder dreht, wenn auch langsamer, aber sicher zum Vorteil derer die ein festes Gottvertrauen haben.

Ich wünsche euch schöne Ferien und eine erholsame Urlaubszeit. Vielleicht können manche ihren eigenen Garten oder unsere schöne Gegend als einen sehr schönen „Garten Gottes“ wiederentdecken.

Ich werden die Gottesdienste, vor allem die Messen am Wochenende, so oft wie möglich weiter „Live Streamen“. Also wir „sehen“ uns entweder in der Kirche oder bei ihnen zu Hause oder auf der Terrasse und beten und singen gemeinsam.

Auch im Namen meiner Priesterkollegen sage ich ihnen Dankeschön für eure Unterstützung und vor allem für euer Gebet für uns und unsere Pfarren!

Euer „Pfoarrer“ Jerome C.